Pink Dolphins

Aber dann ist es soweit und Jill und ich klettern in das überdachte Boot. William, Richards Sohn, der uns begleiten wird, erklärt Jill noch die Funktionsweise des GPS Gerätes und dann geht es flussaufwärts. Nach fünf Kilometern stellt Wilfredo, unser Steuermann, den Motor ab und wir treiben gemächlich den Fluss hinunter. Die Geräusche des Regenwaldes klingen über das Wasser: oft seltsame Laute, von denen ich nicht einmal weiß, ob sie von einem Vogel, Affen oder vielleicht sogar einem Frosch stammen. Wir suchen gespannt die Wasseroberfläche ab, auf der Wasserpflanzen in der Form von kleinen Salaten an uns vorbeitreiben.Delfin Boot

Da, plötzlich ist vor uns ein Prusten zu hören und es steigt eine kleine Wasserfontäne in die Luft. Eindeutig ein rosa Delfin, denn nur sie machen durch das hörbare Ausstoßen der Luft beim Auftauchen auf sich aufmerksam. Und schon taucht vor uns kurz der etwas eckige Kopf eines Delfins auf, lässt uns einen kurzen Blick auf seine rosa Rückenflosse erhaschen und ist schon wieder verschwunden. Ich bringe mein Klemmboard in Position und Jill beginnt, mir die aktuellen GPS Koordinaten und unsere Entfernung vom Startpunkt anzusagen. Das Geräusch von zwei fast synchronen Luftgeräuschen lässt mich sofort wieder aufs Wasser blicken: und wirklich, unser Delfin ist nicht allein sondern hat einen Begleiter. Beide folgen dem Uferverlauf und sind anscheinend mit Jagen beschäftigt wie die schnellen Bewegungen erkennen lassen. „Fishing“ vermerke ich auf meiner Tabelle und dass es zwei erwachsene Tiere sind. Das lässt sich unter anderem auch an dem Grad der rosa Färbung erkennen – denn die ganz jungen Tiere sind noch eher unscheinbar grau, während sie mit dem Alter immer mehr rosa Flecken und Sprenkel bekommen. Woran das genau liegt und warum einige Tiere mehr oder weniger rosa sind, weiß man nicht genau, erklärt uns William. Man vermutet aber, dass es an der Sonneneinstrahlung liegt.

Kurz darauf tauchen vor uns zwei kleine graue Delfine auf und verschwinden gleich darauf wieder lautlos im Wasser. Sie sind kleiner als ihre rosa Verwandten und ähneln viel mehr den Delfinen, die man gemeinhin als „Flipper“ kennt. Aber auch sie haben einen rosa gefärbten Bauch.

Nach ca. zweieinhalb Stunden habe ich auf meiner Liste 11 rosa und 2 graue Delfine vermerkt. Gar nicht so schlecht für den ersten Tag.

AbendstimmungZum Sonnenuntergang sitze ich mit einem Bier aus der kleinen Bar am Deck des Schiffes und beobachte eine Gruppe sechs grauer Delfine beim abendlichen Fischen. Das Bild der elegant auf- und abtauchenden Tiere vor der Kulisse des Flusses und des Regenwaldes stahlt Frieden und Ruhe aus und ich kann mich fast nicht mehr losreißen.

Gegen 23 Uhr liege ich im Bett meiner kleinen Kajüte, lausche den nächtlichen Konzert aus dem Urwald vor meinem Fenster und vermerke in meinem Tagebuch: „13 Delfine gesichtet (2 graue und 11 rosarote), 5 Kaimane gesehen (zwei davon vermessen).“

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