Volunteers

Wir sind immer noch ganz beeindruckt von dem Erlebnis einen Kaiman aus der Nähe zu sehen und zu berühren. Es ist unser erster Abend als Volunteers im Pacaya-Samiria Nationalpark in Peru. Vor zwei Tagen haben wir in Nauta gemeinsam die „Ayapua“ bestiegen, ein altes Dampfschiff, das vor gut 100 Jahren für den Gummi-Transport von Hamburg nach Iquitos gebracht wurde. Seit knapp 10 Jahren ist das Schiff nun der schwimmende Stützpunkt für Earthwatch Exkursionen in den Nationalpark. Es ist die erste Exkursion in diesem Jahr und wir sind eine kleine Gruppe: Richy, Ed und Jil aus den USA, Chris aus England und ich aus dem kleinen Österreich.Molly Aida Zwei Wochen werden wir nun auf diesem liebevoll restauriertem Schiff verbringen und schon beim Betreten der alten Planken fühle ich mich um einige Jahrzehnte zurück versetzt. Der Film „Fitzgeraldo“ von Werner Herzog kommt mir in den Sinn – und tatsächlich befinden sich Teile des Schiffes, das damals für die Dreharbeiten verwendet wurde, nun auf diesem Schiff.

Bevor wir unsere Aufgaben als Volunteers erfüllen dürfen, geht es erst einmal gemütlich den Marañón River flussaufwärts Richtung Zusammenfluss mit dem Samiria River. Keiner von uns hält es in der Kabine aus: wir drängen uns am Bug und schauen der Landschaft zu, die an uns vorbei zieht. Chris ist passionierter Bird-Watcher und hat in Roberto aus den Crew den idealen Experten gefunden: immer wieder schießt er aus seinem Sessel, um mit dem Feldstecher ein paar Vögeln zu folgen, die Roberto gesichtet hat. Natürlich wird der Namen jeder Spezies in seinem kleinen schwarzen Buch vermerkt (bis zum Ende der Reise haben sich dort fast 250 unterschiedliche Arten versammelt).

Victoria LiliesLeider müssen wir ab und zu auch unter Deck, um dem „Unterricht“ von Richard, dem Leiter des Projektes, zu folgen. Er erzählt uns viel Interessantes über die uns umgebende Flora und Fauna und die unterschiedlichen Lebensräume, die durch den Fluss mit seinen unterschiedlichen Wasserständen geprägt sind. Und natürlich die Geschichte und Entwicklung des Pacaya-Samiria Nationalparks, die auch er mitgestaltet hat. Ursprünglich wurden auch die Ureinwohner aus dem Park verbannt, was diesen natürlich die Lebensgrundlage entzog und die daher illegal im Park jagen gingen. Im Jahr 1984 wurde dann das „Amazon Riverboat Exploration“ Projekt mit Unterstützung von Earthwatch gegründet. Seitdem wurde eine Strategie entwickelt, wie die Ureinwohner dieses Gebietes als die eigentlichen Hüter des Parks fungieren können. Die sogenannte „Community Based Conservation“ baut auf ein gesundes Gleichgewicht, das den Bewohnern eine Lebensgrundlage bietet und sie daher motiviert, ihren Lebensraum auch nachhaltig zu nutzen. D.h. jagen, fischen und Landwirtschaft im Naturschutzgebiet ist erlaubt, allerdings nur für eigene und nicht kommerzielle Zwecke.

FlussmusterInzwischen haben wir die Mündung des Samiria Flusses erreicht und im Wasser bilden sich Muster aus dem schwarzem Wasser des Samiria Flusses (die schwarze Farbe entsteht durch die Tannine der Pflanzen in dieser Gegend) mit dem milchig weißen des Marañón Flusses (das durch die mitgeführten Sedimente seine Farbe bekommt). Als wir in den Samiria Fluss einbiegen, rückt das Ufer rechts und links näher und ist von hohen Urwaldriesen gesäumt. Jemand ruft „Pink Dolphin!“ – aber ich bin zu langsam, um noch eine rosarote Flosse zu erhaschen. Ich sehe nur noch einige Luftblasen an der Oberfläche.

Während Richard uns noch eine Einführung in unsere Aufgaben für die nächsten zwei Wochen gibt, haben wir auch schon die zweite Rangerstation im Park erreicht, wo wir die nächsten fünf Tage die Zählungen durchführen werden. Der Sinn der Zählungen von ausgewählten Tierarten ist laut Richard die Beobachtung von Veränderungen in diesen Populationen, um daraus eventuelle Maßnahmen für den Schutz im Park abzuleiten bzw. die Ureinwohner bei der Pflege ihres Lebensraumes zu unterstützen. Dafür werden primär Arten ausgesucht, die fast keine natürlichen Feinde haben und nicht ortsgebunden sind, sondern weiterziehen, wenn sich die Lebensbedingungen verschlechtern. Daher lassen sich aus den Zählungen sehr leicht Veränderungen ableiten.

Die Jagd auf rosa Delfine ist für die Bewohner der Amazonaswälder ein Tabu und es geht die Sage, dass die Delfine abends ans Ufer kommen und junge Mädchen verführen.Aras Die Macaws hingegen (farbenfrohe Papageien, die bei uns Aras genannt), von denen es hier im Gebiet vier unterschiedliche Arten (chestnut-fronted, blue & yellow, red-bellied und scarlet and red & green) zu beobachten gibt, haben von 9/11 profitiert: seitdem ist die Durchleuchtung von Reisegepäck Standard und daher der illegale Handeln mit den Vögeln, die vorzugsweise in Röhren in Koffern geschmuggelt wurden, nicht mehr rentabel.

Heute Nachmittag stehen Rosa Delphine oder Macaws zur Auswahl. Nachdem ich diese Reise fast nur wegen der Delfine unternommen habe, melde ich mich natürlich dafür. SchwimmwestenDoch bevor wir starten dürfen, werden wir noch über die möglichen Risiken der einzelnen Aktivitäten aufgeklärt: von Mückenstichen (sehr wahrscheinlich), über Sonnenstich und Schlangenbisse (sehr unwahrscheinlich) bis zum Über-Board-Gehen. Und natürlich ist das Tragen der Schwimmwesten in den kleinen Booten immer Pflicht.

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